Der beste Song der Welt – für immer

Zu später Stunde erstmals das brandneue Dinosaur Jr-Album “I Bet On Sky” hörend – einmal mehr eine fantastische Platte! –, fällt mir in der Minute ein, was ich vor einigen Monaten gemeinsam mit einem Freund festgestellt habe, und worauf wir beide jederzeit und unter Folter schwören würden: Die 93er-Platte “Where You Been”, die J Mascis (wie einige andere auch) ja eigentlich als Soloprojekt aufgenommen hat, ist nicht nur die allerbeste Dinosaur Jr- Scheibe und unser beider Lieblingsalbum seit bald 20 Jahren, nein: Es handelt sich dabei tatsächlich um die allerbeste jemals aufgenommene Platte, das perfekte Album, unmöglich zu übertreffen.

Genau genommen handelt es sich bei den zehn Songs auf “Where You Been” um das allerbeste und -schönste Musikkunstwerk, das zu alle Zeiten von irgendjemandem geschrieben, aufgeführt und/oder eingespielt und auf Tonträger veröffentlicht worden ist. Niemand sonst außer J Mascis hätte solch brillante Lieder komponieren, arrangieren und umsetzen können, inklusive Mozart, Beethoven und Debussy, inklusive allen KomponistInnen auch außerhalb unseres Planeten, unseres Sonnensystems, unserer Galaxie – überall! Das gilt für alle Zeiten, auch in die Zukunft gedacht, und so kann auch “I Bet On Sky” hier keine neue Marke setzen.

Worüber mein Freund und ich uns nicht einig werden konnten war die Frage des besten jemals geschriebenen und aufgenommenen Songs, der – selbstverständlich! – auf “Where You Been” zu finden ist. Er sprach sich vehement für “Out There” aus – mein Favorit ist und bleibt (unumstößlich) “Start Choppin’”.

Nun denn, Ladys and Gentlemen, entscheidet selbst – die zwei besten Songs der Welt:

3 Platten

Marilyn Manson – Born Villain
Wer den guten Brian Warner ob mangelnder musikalischer Abwechslung für einen Langeweiler hält, ihn deshalb vielleicht gar schon längst abgeschrieben hatte, der hat wohl nie richtig zugehört. Oder steht einfach grundsätzlich nicht auf die Industrial-Gothic-Mucke. Man kann Warners Kunstfigur Marilyn Manson vorwerfen, sich mit der neuen Platte zu wiederholen – oder sich freuen, dass er zu seinen Wurzeln zurückkehrt, ohne die vergangenen eineinhalb Jahrzehnte zu verleugnen. Mit „Mechanical Animals“ (1998) sowie „Eat Me, Drink Me“ (2007) hat er zwei Mal eine deutliche Veränderung bzw. Neuausrichtung seiner Musik unternommen – zwischen diesen beiden starken, den Gothic- und Glam-Aspekt seiner Musik betonenden Platten lag mit „Holy Wood“ (2000), mit dem er sich auf den verdienten Lorbeeren ausruhte, und dem eher anstrengenden und sich eine Spur zu sehr dem Mainstream anbiedernden „The Golden Age Of Grotesque“ (2003) eine Durststrecke. Das nachfolgende „The High End Of Low“ (2009) brachte solide auf den Punkt, was in den zehn Jahren davor geschehen war, ließ einen dann aber doch eher lieber die älteren Scheiben auflegen. „Born Villain“ darf man allein schon deshalb zu den gelungeren Manson-Alben zählen: Es ist einerseits beim ersten Durchlauf schon eingängig und bietet viele Ohrwürmer, andererseits klingt Manson erstmals seit „Antichrist Superstar“ (1996) wieder 90er-Jahre-mäßig abgefuckt („Children of Cain“, „Lay Down Your Goddamn Arms“, „Born Villain“) – und damit einfach ziemlich cool („The Gardener“). Ob das an der Rückkehr des Bassisten und geschätzten Songschreibers Twiggy Ramirez liegt, wie man vielfach liest, sei dahingestellt: Man hört die ersten Alben, man hört die alte Nine-Inch-Nails-Connection heraus, und man mag an manchen Stellen der Meinung sein, es könnte sich einfach nur um ein Best-of der bösen Buben um MM handeln. Der Gesamteindruck besagt: Marilyn Manson klang lange nicht so frisch wie 2012 – und das hat verdammt noch mal nichts mit dem Gastauftritt von Johnny Depp zu tun.

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Lesezeit!

In der Tat: So viel Lesezeit war lange nicht mehr, weshalb ich hiermit ein paar literarische Empfehlungen kundtun möchte…

Maureen Gibbon – Thief
Suzanne, eine Englischlehrerin Anfang 30, nimmt sich eine Auszeit und verbringt den Sommer in einer abgeschiedenen Hütte im Wald. So richtig abschalten kann sie jedoch nicht und gibt ein Zeitungsinserat an, in dem sie sich nach einem „Great kisser, good listener“ sehnt. Es folgen einige Zuschriften, von denen sich jene des Gefängnisinsassen Alpha Breville als zugleich interessanteste und lächerlichste darstellt. Nach und nach vertieft sich die Beziehung der beiden, Suzanne besucht in mehrfach, sie malen sich eine gemeinsame Zukunft aus, die es auf Basis der zwar nicht gemeinsamen, aber auf einem gleichen Erlebnis ruhenden Vergangenheit eigentlich nicht geben könnte: Suzanne wurde mit 16 Jahren vergewaltigt – Alpha Breville hat gerade Mal die Hälfte seiner 14-jährigen Haftstrafe wegen Vergewaltigung abgesessen. Dies allein ergäbe schon eine spannende Geschichte, aber Maureen Gibbon reicht das nicht: Sie lässt Suzanne gleichzeitig mit der Frage kämpfen, inwiefern das schreckliche Jugenderlebnis hätte verhindert werden können, und ob sie gar selbst eine Schuld daran trägt… An dunklen Offenbarungen lässt es die Autorin dann bis zur letzten Seite dieses wirklich extrem spannenden Buches nicht mangeln. Hart wie Bukowski und Palahniuk zusammen, stilistisch aber auf einem völlig anderen, besseren Niveau – ein Mann könnte sowas wohl nicht schreiben.

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