Jahresabrechnung

Habt ihr eure Weihnachtseinkäufe auch noch (größtenteils) vor euch? Ich bin ja immer froh um gute Tipps aus dem Bereich der schönen Künste. Hier sind meine 2011er Favoriten, vulgo Jahres-Hitparade:

Platten

1. Ja, Panik – DMD KIU LIDT: Nachdem sich die Kritiken zu dieser Platte derart einig und vor Lob überstürzt zeigten, wagte ich den ersten kostenpflichtigen Download meines Lebens. Wenige Tage später kaufte ich das Album nach (Doppel-Vinyl in toller Aufmachung plus CD gibt’s zum Mega-Sparpreis). Beschreiben lässt sich das, was die Jungs machen, nur schwer. Der Sound schwirrt irgendwo zwischen Rock, Pop, Jazz und Blues herum, die Texte wechseln zwischen Deutsch und Englisch. Durchaus schräg, aber wahnsinnig eingängig und mit Tiefgang. Am besten selbst reinhören und begeistern lassen! Anspieltipps: Nevermind, Mr. Jones & Norma Desmond, Run For The Ones That Say I Love You, Trouble und natürlich DMD KIU LIDT

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Zweite Klasse

Ein Bekannter rang sich nach Jahren des Schmerzes dazu durch, eine dringend nötige Hüftoperation vornehmen zu lassen. Er hatte Angst, aber es war unumgänglich – ein Gelenk musste ausgetauscht werden. Als ihm eine mehrere Monate lange Wartefrist verordnet wurde, saß die Enttäuschung tief; aber es war halt doch auch ein bisschen die eigene Schuld, bis zu diesem Stadium der physischen Belastung gewartet zu haben. Dann ein Lichtblick: Ein Arzt meinte, bereits innerhalb weniger Tage einen Operationstermin ermöglichen zu können. Allerdings müssten dafür einige tausend Euro extra locker gemacht werden, Rechnung gebe es dafür keine. Der Deal kam nicht zustande: Mein Bekannter war finanziell nur durchschnittlich gesegnet. So hieß es abwarten bis zum Zeitpunkt X – an dem schließlich im Großen und Ganzen alles gut ging.
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Reblogged: Tag der Tomateiser… oder so…

Ein alter Text. Weil’s zum heutigen Datum passt, das irgendwer zum „Tag der Tomate“ zu erheben müssen glaubte:

(…) So habe ich in illustrer Journalistenrunde mehrfach erfahren, dass Ausdrücke wie Blumenkohl und Tomate tabu, und Wörter wie Teller und Monat vom grammatikalischen Geschlecht her rein sächlich seien; das Joghurt, zudem, sei natürlich falsch – weil in Wahrheit ein Kerl, wie man mir weismachen wollte. Korrekt hingegen, weil nicht „bundesdeutsch“, wären für das genannte Gemüse die Bezeichnungen Karfiol und Paradeiser, so die allgemeine Übereinkunft – der sich sogar ein vorarlbergstämmiger Kolumnist angeschlossen hat. Und mich damit im Regen stehen ließ. (…)

Mehr dazu gibt’s hier.

Unter uns: Bruno Grönings Erben (+PDF)

Beim Aufräumen der Festplatte, beim Ausmisten des alten Lebens gefunden: „Weltfrieden durch den Heilstrom“. Diese Reportage habe ich im September/Oktober 2010 verfasst. Der Text war für die Österreich-Seiten einer deutschen Wochenzeitung gedacht, ist jedoch leider nie erschienen. Was soll’s: Ein einziger Rückschlag in achteinhalb Jahren Journalismus – ein kleines persönliches Korrektiv. Ich habe jedenfalls viel über den Job und die Branche gelernt, während diese vier Seiten entstanden sind.

Im Mittelpunkt des Artikels steht der deutsche Wunderheiler Bruno Gröning (1906 – 1959) und dessen Nachwirkungen bis ins heutige Wien. Regelmäßig treffen sich Männer und (vor allem) Frauen jeden Alters, um ihres Bruno zu gedenken und durch gemeinsame „Einstellungen“ Heil und Segen für sich und die Welt zu erlangen:

Die älteste Heilsuchende ist fast 80, sie trennt ein halbes Jahrhundert von der Studentin mit Palästinenser-Tuch hinter ihr. Sibylle spricht die wenigen Neulinge an: „Dass wir zu Bruno Grönings Foto aufschauen, wundert Sie vielleicht. Aber wir beten ihn nicht an“, deutet sie auf den kleinen Altar zu ihrer Linken, „sondern legen unsere innersten Wünsche offen“.

Grönings Anhänger nennen sich „Freunde“, Experten sprechen von einer Sekte – allerdings ohne das gängige Schreckensbild vor Augen, das medial gerne von Scientologen oder Moonies gezeichnet wird:

Man könne (…) mit der Definition spielen: Heilung bedeute für einen Patienten vielleicht schon, mit der Krankheit leben zu lernen. Der Freundeskreis entspreche demnach einer Selbsthilfegruppe (…).

Mir persönlich bleibt die Erinnerung an einen nicht unspannenden Sonntag im Bellaria-Kino, ein paar pseudo-investigative Abende und die Bekanntschaft einiger netter Leute; die Gröningers hören passable (klassische) Musik, die Abläufe der (offenen) Gruppentreffen erinnern stark an Veranstaltungen der Katholischen Jugend. Würde ich mein Kind hin schicken? Selbstverständlich nicht.

>> Zum Download der vierseitigen Geschichte als PDF (47 Kb)

Seitenwechsel

Für das erste Mal lief’s verdammt gut. Die PolAk fragte frühzeitig an, ließ sich von meiner sofort gestandenen Unerfahrenheit nicht beeindrucken, und buchte den 15. Juni als Termin für die Podiumsdiskussion „Der Mittelstand – Eine politische Bestandsaufnahme“. Interessante Gesprächspartner, ein wirklich feines Ambiente, kritische Gäste und der (mad) von der FURCHE als Moderator. Es waren, wie ich mir sagen ließ, alle zufrieden mit dem Ablauf, und einmal mehr blieb ich selbst als mein größter Kritiker zurück. (Auf dass mir nichts Schlimmeres passiere!)

Dass nun diese Veranstaltung, zu der die PolAk übrigens eine schöne Zusammenfassung mit noch schöneren Bildern online gestellt hat, just auf den letzten Tag meiner Tätigkeit für die FURCHE fiel, konnte beim Erstkontakt mit den Verantwortlichen Ende Februar niemand ahnen. Damals war ich gerade mal zwei Monate in der Redaktion des traditionsreichen Blattes, fühlte mich nach einer halbjährigen beruflichen Durststrecke (in der ich allerdings verdammt viel lernen und einige liebe und hilfreiche Kontakte knüpfen konnte) endlich „angekommen“ und ganz gut aufgehoben. Dem wäre auch jetzt noch so, ganz grundsätzlich: Das innenpolitische Geschehen in Österreich mag einen zwar manchmal zum Kopfschütteln anregen, aber die textliche Verarbeitung dieser Zustände ist schon ein spannender Zeitvertreib – umso mehr, wenn er finanziell abgegolten wird.

Dennoch: Als mich in der zweiten Mai-Hälfte der Ruf eines renommierten Bildungsanbieters erreichte, war klar, dass ich mir das mal genauer anhöre. Durch meine frühere journalistische Arbeit hatte ich immer wieder mit der Institution zu tun, aber das war nun doch schon ein knappes Jahr her…

Jedenfalls ging dann alles wirklich zacki-zacki: Es passt – das Allerwichtigste! – inhaltlich, es ist der Abschied aus dem mehr als acht Jahre dauernden, berufsfeld-typischen Prekariat, und es ist der klassische Seitenwechsel. Trommelwirbel: Ich wurde abgeworben, hänge den Journalismus an den Nagel, mache jetzt mal Urlaub (den ersten seit zehn Monaten und den ersten mit freiem Kopf seit acht Jahren), und gehöre dann ab 1. Juli offiziell dem Presseteam des bfi Wien an.

Unverhofft kommt oft: Ich freu mich!