„Mami, ist das vegan?“

Wer Kinder hat, beschäftigt sich fast zwangsläufig mehr mit der Frage der richtigen/besten Ernährung, als der/die kinderlose DurchschnittsbürgerIn. Behaupte ich jetzt mal einfach so, denn immerhin geht es spätestens dann, wenn das Ende der Stillzeit naht, nicht mehr nur darum, sich selbst regelmäßig ein kräftigendes Wohlfühlmenü auf den Tisch zu zaubern, sondern auch den Nachwuchs und – meistens – eine/n PartnerIn damit zu beglücken. Soweit so gut, würde man meinen, und die Sache im Idealfall nicht viel weiter verkomplizieren als es die Tatsache, dass der eine oder die andere dies oder jenes vielleicht nicht verträgt bzw. weniger oder gar nicht mag – ca. Faktor zehn bei den Kiddies –, verlangt.

Mehr oder weniger eine Vereinfachung der Speiseplanung bringt der Verzicht auf Fleisch; richtig kompliziert kann es werden, wenn – aus ethischen Überlegungen und /oder einer gesundheitlichen Notwendigkeit – gänzlich auf tierische Produkte in der Ernährung verzichtet werden soll, und damit v.a. die in zahllosen Variationen omnipräsenten Milchprodukte wegfallen. Umso mehr, wenn dies (vorläufig?) nur Teile der Familie oder gar nur eine Person so handhabt. Jumana Mattukat, in Bremen wohnhafte TV-Journalistin, ist eine, die vor dem Leid der modernen Massentierhaltung nicht länger die Augen verschließen und ihr Leben dem steigenden Wissen darüber anpassen will. Bereits seit längerer Zeit vegetarisch lebend, entschließt sie sich im Sinne der Gewissensentlastung zum finalen Schritt und peilt einen 100-prozentig veganen Alltag für sich und am liebsten auch für ihr engstes Umfeld an.

Ihre beiden Kinder ziehen mehr (Süßigkeiten-Party mit Mami) oder weniger (Besuch bei Oma) mit, der Ehegatte nähert sich nach anfänglich vehementem Widerstreben zumindest deutlich an – und nach einigen Monaten stellt sich das gemeinsame Leben insgesamt bunter, abwechslungsreicher, harmonischer, erdverbundener und, wie erwartet, gesünder dar: Der Weg bis zu diesem Punkt war für die „Mattu-Cats“ holprig, nicht immer frei von Konflikten und v.a. für die Autorin mit immer wieder kehrenden Ängsten vor dem Outing (das schließlich zu vielen kleineren Outings wurde) verbunden. Ihre Erfahrungen, Überlegungen, Selbstzweifel und viele kleine Alltagsbeobachtungen teilt Jumana Mattukat nun in einem kleinen, feinen Büchlein mit einer hoffentlich größer werdenden LeserInnenschar: „Mami, ist das vegan?“ regt zum Nachdenken an, gießt altbekanntes Wissen in eine neue Form und gibt hilfreiche neue Tipps für eine wohl tatsächlich nachhaltigere Lebensführung. Die einfache, nicht belehrende aber stets (auf eine glorreiche Zukunft der Menschheit, der Tierwelt, des Kosmos…) hoffende Sprache macht den Mitte März erschienenen Erfahrungsbericht zu einem authentischen und nahe gehenden Leseerlebnis, der durch einen wertvollen Anhang zu den Themen Tierschutz, Umwelt, Ernährung und Gesundheit sowie durch 33 überwiegend lecker klingende Rezepte ergänzt wird – die selbstverständlich auch AllesfresserInnen munden dürf(t)en.

„Mami, ist das vegan?“ von Jumana Mattukat ist im Verlag J. Kamphausen erschienen und kostet 16,95 Euro. Der YouTube-Kanal der Autorin bietet einige Videos zum Thema des Buchs.

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