So klein die Welt

Freitagabend, Weihnachtsgetümmel, Tausende auf dem Weg. Fluchtgedanken: Musik im Ohr: Cut Like A Buffalo. Als dich plötzlich dieser Kerl anstarrt, steigt deine Laune nicht unbedingt. Du willst dich schon wegdrehen, als du, spät aber doch, unter der dicken Pudelmütze, hinter dem hochgeschlagenen Mantelkragen, deinen guten Freund erkennst. Der eigentlich tausende Kilometer entfernt, in London sein sollte. Und sich nun hier in Wien antreffen lässt, wo er für lausige 24 Stunden zu Gast ist. Du erkennst nun auch, bei wem – er hat seine Schwester im Schlepptau, die Gute.

Freude!

Lange ist es her, doch sofort ist alles beim Alten. Man tauscht die aktuelle Lebenssituation aus (der eine ist verheiratet, der andere Vater – das ist nichts Neues, aber birgt hohes Geschichtenpotenzial). Man erläutert die politischen Verhältnisse da wie dort. Und landet schließlich genau da, wo man irgendwann, vor Ewigkeiten, am engsten miteinander war: in der Schule. Was dieser, was jene mache? Ob diese, ob jener gut gealtert ist? Die Band damals – wir waren so gut! (Wir waren SO gut!!!)

Der Abschied, viel zu bald. Eine Stunde nur und dann: Auf Wiedersehen, alter Freund!

(Auf Wiedersehen!)

Gedanken zur Bettelei

Ich habe mich nie an die Bettlermasse in Wien gewöhnt. Vielleicht braucht man, vom Land kommend, auch mehr als eine lausige Dekade, um sich mit dem Elend dieser Männer, Frauen und Kinder abzufinden. Natürlich: Viele der Bettelnden in unserer Stadt haben es immer noch besser als jene Kinder, die etwa in Buenos Aires kurz nach der Abenddämmerung aus allen Ecken herbei strömen und die Mülltonnen nach Essbarem oder Spielsachen durchwühlen. Dennoch gibt einem die Not dieser Menschen in einem der reichsten Länder der Welt gerade in der Vorweihnachtszeit sehr zu denken. Es betrübt, dass man ihnen nicht allen helfen kann.

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Frisch bejobbt…

Das schabernackhaft ausgezwitscherte Gerücht, ich würde bald einen lukrativen ORF-Posten besetzen, machte – obgleich sofort beeinsprucht! – seine Runden und brachte heute sogar eine entsprechende Anfrage aus familiärer Richtung. Deshalb gleich vorweg, nochmals, ein für alle Mal: Ich werde den Küniglberg beruflich weiterhin meiden. Der (mad) geht nicht zum ORF. Versprochen!

Der (mad), der in den vergangenen Monaten die Vor- und Nachteile echter Selbständigkeit ausreichend kennenlernte, als er mit Vergnügen durch die heimische Printlandschaft wilderte (u.a. Falter/Heureka, Atello, Die Presse), wird aber dennoch wieder sesshaft. Gut Ding braucht Weile, könnte man die Geschehnisse seit Ende Juli zusammen fassen, und dieses gute Ding soll nicht länger verschwiegen werden: Hauptberuflich werde ich ab Jänner 2011 für Die Furche tätig sein, wobei ich mich schwerpunktmäßig den Bereichen Innenpolitik und Bildung widmen darf. Mit Aussicht auf den einen oder anderen thematischen Seitensprung – das wird sich entwickeln. Einen ersten aktuellen Eindruck meiner (noch freien) Tätigkeit für die traditionsreiche Wochenzeitung, von der mir in Kindertagen schon Großmutter Legendäres zu berichten wusste, gibt es hier und da zu lesen. Und am kommenden Donnerstag, soviel sei verraten, gibt’s neuen Stoff von mir!

Allen, die mich in der jüngeren Vergangenheit unterstützt haben, sei’s mental oder durch den einen oder anderen Auftrag, möchte ich ein herzliches „Dankeschön!“ entgegen rufen. Und tue das hiermit: Mercie beaucoup!

Schlag nach bei Max Frisch

Ich mag die Schweizer – nicht zuletzt wurde ich in meinen frühen Wiener Tagen immer wieder selbst für einen gehalten. (Ja, das kann man sich zehn Jahre später gar nicht mehr vorstellen, ich weiß.)

Hier im Osten meinte man früher ohnehin, dass so gut wie alle Vorarlberger zum Hackeln in die Schweiz gingen. Es waren wohl auch einmal eine ganze Menge – aber so wie noch vor dreißig Jahren rentiert sich das heute nicht mehr. Mittlerweile werden die Österreicher dort zum Teil ja schon weggeschimpft: „Ihr nehmt uns unsere Arbeitsplätze weg“, das sei kein so seltener Vorwurf, wie ich mir habe sagen lassen. Von daher haben diese Vorarlberger Grenzgänger wohl einen Eindruck davon, was hierzulande Türken, Serben, Kroaten etc. durchmachen müssen. Unangenehm, aber nicht uninteressant.

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Sonnweh

Obgleich es Ende November und, wie ich mit ehrlicher Überraschung feststellte, bereits der erste Adventsonntag ist, empfinde ich den plötzlichen Wintereinbruch als unwillkommene Zumutung. Oh weh, oh weh. Weh mir!

Da steh ich nun, ich armer Tor, und friere mehr als je zuvor.

Und quäle mich selbst mit dem Schafmann.