Jahresabrechnung

Habt ihr eure Weihnachtseinkäufe auch noch (größtenteils) vor euch? Ich bin ja immer froh um gute Tipps aus dem Bereich der schönen Künste. Hier sind meine 2011er Favoriten, vulgo Jahres-Hitparade:

Platten

1. Ja, Panik – DMD KIU LIDT: Nachdem sich die Kritiken zu dieser Platte derart einig und vor Lob überstürzt zeigten, wagte ich den ersten kostenpflichtigen Download meines Lebens. Wenige Tage später kaufte ich das Album nach (Doppel-Vinyl in toller Aufmachung plus CD gibt’s zum Mega-Sparpreis). Beschreiben lässt sich das, was die Jungs machen, nur schwer. Der Sound schwirrt irgendwo zwischen Rock, Pop, Jazz und Blues herum, die Texte wechseln zwischen Deutsch und Englisch. Durchaus schräg, aber wahnsinnig eingängig und mit Tiefgang. Am besten selbst reinhören und begeistern lassen! Anspieltipps: Nevermind, Mr. Jones & Norma Desmond, Run For The Ones That Say I Love You, Trouble und natürlich DMD KIU LIDT

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Franz Kabelka: Jemand anders

Das ist schon ein gelungener Kunstgriff: Nachdem Franz Kabelka seinen über drei Bücher lieb gewonnenen Chefinspektor Tone Hagen ins literarische Aus geschickt hat, führt er in seinem aktuellen Krimi gleich gar keinen Ermittler mehr ein. Weder Polizist noch Detektiv, auch kein Pfarrer, keine Pensionistin, gelangweilte Hausfrau oder findige Jugendgruppe kümmert sich hier ernsthaft um die Aufklärung zweier nicht ganz alltäglicher Todesfälle.
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Wie ich das Hörbuch erfunden habe und NICHTS daraus machte

Man stelle sich vor, eine Zeitreise: Zufällig kommt man auf die Website der ehemaligen Schule und stellt fest, dass dort plötzlich alle Abschlussberichte aus den wunderbaren Jahren der Unschuld (1991 bis 1998) online stehen. Papier wurde zu Bits und Bytes – auch eine Art E gleich m mal c  hoch 2. Irgendwie halt… Jedenfalls hilft einem der PDF-Scan erinnerungstechnisch etwas auf die Sprünge, und plötzlich ist man wieder im Bilde: Ja, ich und Knut, wir haben damals schon das Hörbuch erfunden. Aber nicht etwa die reine Umsetzung in der längst schon bekannten Weise, dass Gelesenes auf Tonband verewigt und im Platten- oder CD-Presswerk vervielfältigt wird, nein: Ich rede von der direkten Umwandlung eines handfesten Buches in Sprache!!!

Dies legte ich im Jahr des Herrn Anno 1994 (8. Schulstufe) in einem (holprigen) Englisch-Aufsatz dar, was die Begeisterung eines lieben Lehrers so sehr hervorrief, dass es in der Folge zum Abdruck in knapper 1000er-Auflage kam. Wäre ich in Wirtschaftskunde damals ähnlich gut gewesen wie in englischer Literatur (die Niveaus haben sich später negativ angeglichen…), ich wäre heute ein reicher Mann. Ach, holde Jugend….

Hier das vielversprechende Konzept (CC):

Knut’s reading machine

Knut McIntelligence has invented many things in the past ten years. For example, he built a machine to mix eggs, milk and flour to a dough. He also built a machine with which you can see moving pictures. But whenever he wanted to get a patent for his machines the man in the patent office said, „These machines have already been invented.“

Knut McIntelligence was very sad. But then, one day, he invented the first A.R.M. (Automatic Reading Machine). It was really easy to understand: The machine looked like a shoe box with a slot and loudspeakers. There were also many buttons on it. You only had to put in a book and feed in the publishing company. Because of the fact that all letters of each company had a different weight (the letter „A“ weighs 3 microgrammes in a book of the Ueberreuter company and the letter „S“ weighs 1.7 microgrammes in a book of the Knaur company) the text could be read by the machine. It told you what was written in the book.

Knut had stored up three voices to choose from: the voice of Woody Allen, the voice of Richard Nixon, and the voice of the old man with the moustache from the Muppets Show. Knut McIntelligence’s invention was made for blind people first, but soon everyone had his A.R.M. at home and Knut became very rich.

Flotter 4er: Weber, Guttenberg, Hahn, Assange

Nun bedient sich der (mad) flugs selber der Copy-Paste-Vorzüge, und verbrät eine Rezension („Das Google-Copy-Paste-Syndrom“), die er am 3. Februar 2007 im Standard veröffentlicht hat, noch einmal. Der „Plagiats-Jäger“ Stefan Weber war zu jener Zeit gerade so etwas wie ein österreichischer Julian Assange. Nur wies er die Öffentlichkeit, anstatt ihr Geheimdokumente aus Regierungs-, Banker- oder Mafiakreisen zugänglich zu machen, darauf hin, dass die Qualität des wissenschaftlichen Betriebs – Internet sei Dank! – in großer Gefahr sei:

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„Die Mutter des Erfolgs“ von Amy Chua

Eigentlich reicht das Vorwort, in dem Amy Chua schreibt, ihre Geschichte „hätte davon handeln sollen, dass chinesische Eltern bessere Pädagogen sind als westliche. Stattdessen erzählt sie von einem bitteren Kulturkonflikt, einer kurzen Kostprobe vom Ruhm und von meiner Demütigung durch eine Dreizehnjährige“.

In der Tat geht es weniger um die Erziehung ihrer Töchter, als um eine unangenehme Persönlichkeitsschwäche der Autorin. Wenn Chua zeigt, wie die beiden von frühester Kindheit an täglich stundenlang nur Klavier bzw. Violine üben, sie ihnen keinerlei Vergnügen gönnt, die Mädchen als „Abfall“ beschimpft und dabei berichtet, wie sie selbst an ihre Grenzen geht – ich, ich, ich! –, wird klar wer glaubt, sich beweisen zu müssen.

Stilistisch mangelhaft wird angesichts Chuas Biographie – sie lehrt Jus in Yale – ebenfalls bald deutlich, dass hier ein geplanter Skandal in Form missglückter Satire vorliegt. Irreführender (Unter-)Titel, stellenweise unterhaltsam, für Europäer kaum provozierend.

(5 Punkte)

Amy Chua zum Schnelleinstieg: „Why Chinese Mothers are Superior“ im Wall Street Journal.