Zwischenbericht: #armeleuteessen, Tag 11

Elf Tage. Das erste Drittel des #armeleuteessen-Selbstversuchs ist geschafft. Auch die Wogen auf Twitter und Facebook scheinen sich fürs erste etwas geglättet zu haben. Dafür stellt sich bei mir selbst eine steigende Unzufriedenheit ein.

Zum einen ist die Anforderung, für Bürotage vorzukochen oder die nötigen Zutaten für ein leckeres nachhaltiges Mittagsmenü dorthin mitzubringen, mit meinem (aktuellen) Lebensrhythmus schlecht kompatibel: (private) Abendtermine verhindern ersteres, ein enger Terminplan und stressbedingte Vergesslichkeit erschweren letzteres. Immerhin: am Mittwoch hab ich mir die übrigen Spaghetti-Nudeln vom Dienstagabend mitgenommen und die KollegInnen mit einer ordentlichen Aglio-e-Olio-Wolke eingenebelt 😉

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Zwischenbericht: #armeleuteessen, Tag 5

Es wird langsam Frühling und man überredete mich heute bereits zum ersten Eis der Saison. Bio-Eis war rasch aufgetrieben, der Eis-Greissler hat sich damit in Wien bereits einen Namen gemacht. Stolze 2,80 Euro werden hier für eine Tüte mit zwei Kugeln verrechnet – und damit fast ein halbes Tagesbudget. Ich kratze die Kurve und bleibe vorerst unter den sechs Euro, die ich mir täglich zugestehe, weil es zu Mittag nochmals den Riebel vom Vorabend gab.

Abends dann ein ordentliches Kichererbsen-Curry – köstlich. Und dann der Fehler: Gegen halb zehn, nachdem ein Video-Projekt erfolgreich abgeschlossen ist, der Griff in den Kühlschrank zum gestern gekauften Bio-Bier. Oje! Ich dürfte jetzt bei ca. 6,30 Euro liegen. Das Tagesbudget ist damit überschritten – ins Monatsbudget passt es aber nach wie vor, da ich in den vergangenen ersten fünf Tagen von #armeleuteessen stets unter den Möglichkeiten geblieben bin.

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Zwischenbericht: #armeleuteessen, Tag 3

Tag 3 im Selbstversuch #armeleuteessen: Nach kurzem Krankenstand wieder bürofit, mache ich mir u.a. Gedanken über die Regelmäßigkeit und das Umfeld meiner Mahlzeiten:

Wird nach 36 Erdenjahren irgendwann noch ein richtiger Frühstücker aus mir oder hab ich inzwischen eh bewiesen, dass die angeblich wichtigste aller Mahlzeiten – vielleicht gerade für Nachteulen wie mich! – zu ungunsten ordentlicher Nachmittags- und Abendkost schlicht überbewertet ist? (1. nein, 2. ja)

Ist „bio“ allein vielleicht nicht ausreichend? Muss ich mir mehr Gedanken über Regionalität und Saisonalität v.a. von Obst- und Gemüse machen – auch wenn die Gurke aus Spanien ein versehentlicher Kauf war und Himbeeren im Winter ohnehin ein Tabu für mich sind? (tendenziell: ja)

Müssen die TeilnehmerInnen von #armeleuteessen ein schlechtes Gewissen haben, weil sie – wie es in den Social Media in den vergangenen Tagen sinngemäß zu lesen war – angeblich aus einer überheblichen Wohlstandsposition agieren und mit dem Selbstversuch wirklich in Armut lebende Menschen beschämen? (eher: nein)

Sollte ich – egal ob daheim oder im Büro – vor dem Bildschirm, Nachrichten konsumierend, essen? (definitiv: nein)

Diese und weitere Punkte werde ich versuchen, im nächsten Videobeitrag abzuhandeln. Den gibt es voraussichtlich am kommenden Samstag, 5. März, via YouTube.

>> Was bisher geschah

Start des Videoblogs #armeleuteessen

Es gibt viele erste Male, und das Videoblog-Debüt für #armeleuteessen ist für mich eines der spannendsten ersten Male seit langer Zeit. Ich lade euch zwar krankheitsbedingt um mehr als 24 Stunden später dazu ein, als geplant – das erste Video ist seit Samstag abgedreht, der Text war fertig und die Pilotfolge wartete eigentlich nur noch auf das „Go!“ der (einzigen) Testseherin, als es mich gestern Abend relativ unsanft mit Bauchi- und Kopfi-Aua ins Bett geprackt hat. Aber ich bin immer noch rechtzeitig, um vor dem Start von #armeleuteessen zu verkünden, dass ich hiermit in die Masse der Video-BloggerInnen eintauche. Klar ist: Es gibt Tausende, die das besser machen. Aber das schreckt mich nicht ab – denn nur Übung macht den / die MeisterIn!


Anlass dafür ist das titelgebende Projekt, zu dem die Biorama-Redaktion mit ihrer aktuellen Titelgeschichte einlädt:  Es geht darum, sich einen Monat lang mit dem Budget eines Mindestsicherungs-Empfängers zu ernähren. Laut der Biorama-Story werden einem Erwachsenen in Österreich 6 Euro pro Tag als Ernährungsbudget zugestanden. Klar kann man damit überleben – aber auf nachhaltige Weise? Da bin ich skeptisch, sprenge ich doch Monat für Monat mein eigenes, auch nicht wirklich übertrieben hoch angesetztes Nom-nom-nom-Budget.

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Weltfremde Politik: Die Mär vom faulen, reichen Arbeitslosen

Heute ist mein erster Urlaubstag. Ich habe lange geschlafen; nicht so lange, wie ich selbst erwartet hätte – aber wohl in der Dauer ausreichend, um von Angehörigen und SympathisantInnen mancher politischer Partei bereits als faule Sau eingestuft zu werden. Ganz egal, ob ich mich fast direkt danach an den Computer setze und dreieinhalb Stunden nachdenke, recherchiere und schreibe – denn Geld habe ich damit keines verdient, und die Wirtschaft ist dadurch höchstwahrscheinlich auch nicht gewachsen.

Es war also kurz vor zehn Uhr, nach guten acht Stunden Bettruhe, als ich heute aufgestanden bin. Sensationell gut gelaunt, eine wunderbare Melodie pfeifend, folgte ich zuerst dem Ruf der Natur (Kaffeemaschine) und erinnerte mich gleich darauf der wie jeden Samstag verlässlich vor der Türe auf mich wartenden Zeitung. Kurz darauf war ich ziemlich grantig.

„Schelling: Arbeitslosengeld ist in Österreich zu hoch“, titelt der heutige Standard. Und in der zugehörigen Geschichte, einem Doppelinterview mit dem amtierenden ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling und dem steirischen Unternehmer Josef Zotter, heißt es dann:

Es ist auch deshalb schwer, Arbeitskräfte zu finden, weil das Arbeitsloseneinkommen fast genauso hoch ist wie das Arbeitseinkommen.

Nun, wie sieht die Realität aus? Laut Website des Arbeitsmarktservice (AMS) besteht das Arbeitslosengeld aus bis zu drei Teilen: dem Grundbetrag und möglichen Familienzuschlägen (z.B. für Kinder) sowie einem allfälligen Ergänzungsbetrag:

Der Grundbetrag richtet sich bei Geltendmachung von 1. Jänner bis 30. Juni des jeweiligen Jahres nach der […] Jahresbeitragsgrundlage aus arbeitslosenversicherungspflichtigem Entgelt des vorletzten Jahres. […] Wenn Sie zwischen 1. Juli und 31. Dezember des jeweiligen Jahres Arbeitslosengeld beantragen, richtet sich der Grundbetrag des Arbeitslosengeldes nach der Jahresbeitragsgrundlage des letzten Kalenderjahres.

Bedeutend an dieser Feststellung ist, dass das Arbeitslosengeld NICHT auf Basis des Gehalts oder des Lohns berechnet wird, den ein/e Angestellte/r oder ArbeiterIn vor Eintritt in die Arbeitslosigkeit erhalten hat. Wer sich zwischen 1.1. und 30.6.2015 arbeitslos gemeldet hat, bekam Arbeitslosengeld auf Basis der durchschnittlichen Monatseinkünfte im Jahr 2013; wer sich zwischen 1.7. und 31.12.2015 arbeitslos meldet, bekommt Arbeitslosengeld auf Basis der durchschnittlichen Monatseinkünfte im Jahr 2014.

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